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Am 30.07.2009 war es wieder einmal soweit im Itzehoer Ländle. Keine Höhen dafür Böen waren angesagt im flachen Norddeutschland. Viele Mähnenträger sind schon am Dienstag oder Mittwoch angereist und so war der inoffizielle Festivalbeginn eigentlich schon in der Mitte der Woche. Die Highlights dieses Jahres sollten nebst den hochkäratigen Bands auch ein Mittelaltermarkt mit diversen Schaukämpfen sowie ein Wrestlingzelt sein. Was dieses Jahrmarktfeeling mit Metal zu tun haben sollte bleibt hier mal in Frage gestellt, aber für viele war es sicher eine willkommene Abwechslung.
Die Bühne
Die Ehre, das grösste Metal Open Air der Welt eröffnen zu dürfen, hatte SKYLINE (D). Mit dem W:O:A Big Boss Thomas Jensen hatten die deutschen Musiker schon vor 20 Jahren die Ehre! Trotz allen Nostalgie-Gefühlen waren sie irgendwie kein würdiger Opener, da sie das Publikum nicht mitreissen konnten.
Die ganze Wacken-Welt fragte sich derweil, welche Talente bei der „Secret Show“ auftreten werden. Den Gerüchten zufolge sollte es JBO (D) sein. War dann auch so. JBO überzeugte das Publikum und wusste es mit ihrem Spass-Metal in seinen Bann zu reissen. Die Countryrocker aus Berlin, The Boss Hoss (USA), waren ein echtes Highlight am diesjährigen Wacken. Kein Metal, aber dafür American Country Music vom feinsten.
Ganze 6 Jahre haben sie die Fans schmollen lassen, an diesem W:O:A sind RUNNING WILD (D) zurückgekehrt. Da es das letzte Konzert der Band sein sollte. hat man ihnen die grosszügige Spielzeit von zwei Stunden eingeräumt. Trotz allem war das Konzert leider kein grosses Highlight und so wird Rock’n’Rolf mit seinen Jungs mit diesem letzten Konzert wohl keinen grossen Eintrag in den Geschichtsbüchern erhalten können.
VREID (NO) hatten am Donnerstagmorgen den schwierigen Auftrag, die verschlafene Meute mit feinstem Black’n’Roll einzuäschern. Bei Regen erschlugen sie das Publikum regelrecht. So wird der neueste Wurf der Band, Milorg (vom Feinsten), hoffentlich weiter seine Runden in den CD-Spielern der Metaller drehen.
UFO (UK), das Rock-Urgestein von England waren danach an der Reihe. Die Bobbys haben in den letzten Jahrzehnten nichts verlernt – im Gegenteil. Sie haben etwas dazugelernt: Die Classic Rocker durften in den Genuss des guturalen Metal-Slangs kommen. Einfach faszinierend.
ENDSTILLE (D) Die Pandas aus Thüringen waren auch noch da. Ist zwar lustig aber sieht man heutzutage einfach überall, an diversen Open Airs und Festivals quer durch die Lande.
GAMMA RAY (D), die Kastratenfraktion war auch am Wacken vertreten. Hoher Gesang und (wirklich gute) Gitarren waren angesagt. Leider nicht unsere Musik.
Lemmy und seine Jungs durften an diesem Jubiläum natürlich auch nicht fehlen. MOTÖRHEAD (UK) überzeugte mit einer soliden Darbietung und guten alten Klassikern wie „Iron Fist“ oder „Going to Brazil“. Auch das Drum-Solo von Mikkey Dee war einsame Weltklasse. Der Auftritt der Wacken-Fire-Girls wärend "Killed by Death" zwangen sogar Lemmy dazu, einen Blick auf die hübschen Rundungen der Mädels zu werfen. Einfach grandios!
Auch wenn DORO (GER) aus unserer Sicht bereits vor 20 Jahren das Handtuch hätte werfen sollen, begeisterte sie doch einige Metaller mit ihrer aktuellen Wackenhymne. Die Einnahmen der EP gehen an ein Kinderhilfswerk.
AMON AMARTH (SWE) starteten furios, leider jedoch viel zu leise mit „Twillight of the Thunder God“ in ihr Set. Entweder hat der Mixer gepennt oder sonst irgendwelche schmierigen Dinge getan. Der Sound stabilisierte sich jedoch schnell und so wurde es zum Heimspiel für die Viking-Death Metal Fraktion aus Schweden. Die Bühnenaufbauten mit Vikingerschiff und Statisten war sehr gekonnt und so konnte man nach diesem Auftritt sicherlich gut schlafen.
HEAVEN SHALL BURN (GER) waren auch wieder da. Die Musik sagt uns nichts dafür waren die Circle-Pits und Wall of Death’s wieder was fürs Auge. Die praktizierenden Veganer wissen auf jedenfall, wie man das Publikum zu solchen taten motivieren kann. Wer hat übrigens gewusst, dass keiner der Band auch nur einen Tropfen Alkohol trinkt?
VOLBEAT (DK) waren sicherlich eines der Highlights des diesjährigen Wacken. So durften sie dieses Jahr auf der grossen BLACK-STAGE spielen und dies sogar eine Stunde lang. Ihr Elvis-Metal kam super an und das ganze Wacken war eine grosse Party. Diese Band hat einfach den Nerv der Zeit getroffen und wir können nur hoffen dass uns die sympathischen Jungs noch lange erhalten bleiben.
MACHINE HEAD (USA) waren der ganz grosse Kracher. Wir haben selten eine so spielfreudige Band gesehen. Das Publikum so wie die Band wusste nicht mehr wie ihnen geschieht. Nebst dem wahrscheinlich grössten Circle-Pit der Welt (ausser der in Mekka) war die Show einfach nur genial.
Das Gelände
Das W:O:A ist längst nicht mehr ein Open Air, welches den Besuchern nur ein paar Bands bietet. Auf das weitläufige Gelände haben die Organisatoren eine Marktmeile, ein Mittelalterdorf, Wrestling Zelt und zahlreiche Fressstände gepflanzt. Alles in allem ist Langeweile ein Fremdwort. Der seit Jahren obligatorische und fleissig besuchte Biergarten war wieder beim Eingang in das Konzertgelände platziert und sorgte durchgehend für feuchtfröhliche Stimmung.
Die Marktmeile "Medieval Market" wollte dieses Jahr nicht enden. Man konnte das Geld in der Luft riechen... von wegen Wirtschaftskrise. Innerhalb des Markgeländes war auch wieder der kostenpflichtige "Metal Market" angesiedelt. Das Merchandising-Angebot war heftig!
Ein weiteres Highlight brachte die Besucher in luftige Höhe. Bei einem oder zwei Jägermeister konnte man sich bei atemberaubender Aussicht betrinken. Leider war die Bewerbung nur per SMS möglich, kleines Manko.
Das hergerichtete Mittelalterdorf riss die Besucher ein paar Epochen zurück in die Vergangenheit. Waren und Handwerk aus dieser Zeit scheint auch bei den anwesenden Knüppeljägern sehr beliebt zu sein. Wer sich gleich noch auf die Streckbank spannen und foltern liess, hat verstanden: Das ist nichts für Weicheier. Nichtsdestotrotz konnte sich jeder, der nicht so auf foltern steht, auch weiche Eier bei einem (Show-)Schwertkampf holen.
Unter Freiluft-Feinschmeckern gilt das W:O:A schon seit Jahren als Geheimtipp! Dem ist auch 2009 nichts hinzuzufügen. Das Angebot reichte von China-Food über Brathähnchen, über Burger, Pommes und Würstchen bis zu Donuts und exzellenten Crêpes.
Das Camping
Nein, kein Flüchtlingscamp im Libanon. Die hektarengrosse Verwüstung des Geländes hatte einen Namen: W:O:A CAMPGROUND.
Über 70'000 Metalfans waren auf diesem sonst als Nutzfläche für Landwirtschaft bestellten Acker untergebracht. Trotz dieser gigantischen Menschenmasse kommt es so gut wie nie zu grossen Zwischenfällen. Wurden die letzten Jahre vermehrt Dixiklos in Brand gesetzt (was dumm und gefährlich ist), brannte dieses Jahr kein einziges und auch mit dem Feuerwerk war es dieses Jahr nicht mehr ganz so schlimm.
Es gab wieder verschiedene Campinggrounds, damit die Orientierung nicht ganz so schwer fällt. Böse Zungen behaupten jedoch, es gebe Menschen, die am Festival nichts anderes machen, als ihr Zelt zu suchen. Kann sein, war bei uns jeden Falls nicht so. War man nicht allzu besoffen, konnte man mit Hilfe der Strassennamen (z.B. Ozzy Way) sein Zelt schon wieder finden oder zumindest in der Nähe davon schlafen.
Ein dickes Lob verdienen die vielen WOA-Breakfast Stände an denen man am Morgen den Kater mit Sandwiches und Kaffee verjagen konnte. Das einzige Manko waren die Duschen und WCs - die Wartezeiten waren in der "Rush Hour" einfach viel zu lange.
Im Grossen und Ganzen war auch das Camping sehr gut durchorganisiert.
Fazit
Alles in allem war das Openair ein grosser Erfolg und wir hoffen, dass die Bands am Wacken nächstes Jahr auch nach dem Jubiläum in der gleichen Qualität weiterrocken.
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